Biography

Dwight MamlokDwight Mamlok, geboren am 16. Dezember 1923 in Hamburg, ist als Dieter Gerhard Mamlok in das Geburtsregister eingetragen. Sein Vater Reinhold Mamlok führte eine gut gehende Exportfirma für Chemikalien mit Schwerpunkt Südamerika. Von seiner Firmenteilhaberin, einer überzeugten Nationalsozialistin, denunziert wurde er verhaftet. Während er im Gefängnis saß, konnte sein noch nicht 16jähriger Sohn Dieter mit einem der letzten Kindertransporte nach Schweden entkommen, das am 1. September 1939 seine Grenzen schloss. Sechs Jahre lebte und arbeitete Dieter Mamlok in Schweden – zunächst bei Pflegeeltern, zu denen er später von den USA aus den Kontakt hielt.

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Dank der Unterstützung von Verwandten, die mit einem Affidavit bürgten, konnten seine Eltern noch im letzten Moment nach Kalifornien entkommen. Dieter Mamlok emigrierte auf komplizierten Wegen über Großbritannien nach Ende des Krieges 1945 in die USA und zog nach San Francisco zu seinen Eltern. Hier änderte er seinen Namen in Dwight Gerard Mamlok.
Im Sommer 1947 lernte er Ursula Lewy kennen, die er drei Monate später heiratete. Nachdem das Paar eineinhalb Jahre in San Francisco gelebt hatte, entschlossen sich Ursula und Dwight Mamlok 1949 nach New York zu ziehen. Auf der legendären „Route 66“ fuhren die beiden nach New York, eine verspätete Hochzeitsreise.

Dwight und Ursula Mamlok
Dwight und Ursula Mamlok mit einem Chevrolet auf der „Route 66“
Dwight und Ursula Mamlok
Dwight und Ursula Mamlok mit einem Chevrolet auf der „Route 66“

Hier baute Dwight Mamlok eine Dépendance des Exportgeschäftes seines Vaters auf, die er weit über das Rentenalter hinaus betrieb. Dwight Gerard Mamlok starb am 20. September 2005 in New York.

Bereits als Jugendlicher in Schweden entdeckte er seine Leidenschaft für die Photographie, die ihn sein Leben lang ebenso begleitete, wie seine Liebe zur Literatur. Er schrieb zahlreiche Gedichte, Novellen und humorvolle Kurzgeschichten auf Englisch, die bis heute der Veröffentlichung harren. Es ist eine Aufgabe der Dwight und Ursula Mamlok-Stiftung diesen Schatz zu heben.
Bekannt ist allein sein bewegender Gedichtzyklus „Der Andreasgarten“, einer der wenigen Texte, die er in seiner Muttersprache geschrieben hat. Die Gedichte sind 1987 in Zusammenarbeit mit seiner Frau Ursula Mamlok entstanden, das einzige Gemeinschaftswerk des Paares.
Den Auftrag zu diesem Werk erhielt Ursula Mamlok 1985 vom Jubal Trio. Das 1974 gegründete Ensemble trat in der außergewöhnlichen Besetzung von Singstimme (Christine Schadeberg), Flöte (Sue Ann Kahn) und Harfe (Susan Jolles). „Der Andreasgarten“, Komposition Ursula Mamlok, Text Dwight Mamlok, wurde vom Jubal Trio 1987 in New York im Franklin & Marshall College uraufgeführt.

Für das Programmheft einer späteren Aufführung am 18. November 1995 in der Philadelphia University schrieb die Komponistin über das Werk: „Die drei Musikerinnen »gaben mir die Möglichkeit, ein Trio für Mezzosopran, Flöte und Harfe zu schreiben. Ausgerüstet mit einem Berg von Büchern, den ich nach geeigneter Poesie durchforsten wollte, fuhren mein Mann und ich in unser Haus in San Mateo, wie wir es in jedem Sommer taten; ich hatte auch Salzedos Lehrbuch über die Technik des Harfenspiels mitgenommen. Meine Arbeit für den Sommer stand fest. Obwohl die Poesie, die ich las, von den großen Meistern der Geschichte stammte – Zeilen aus der Bibel, Verse weniger berühmter Freunde –, suchte ich noch immer nach einer Geschichte, die das Ganze, die die verschiedenen Gedichte in einen Zusammenhang bringen könnte. Auch der Klang meiner Muttersprache, deutsch, zog mich an. Ich hatte in ihr einst Lieder nach Texten von Hermann Hesse komponiert. Schließlich bat ich meinen Mann, der Kurzgeschichten in Englisch schreibt, aber wie ich in Deutschland geboren wurde, er möge mir bei meinem Problem helfen.

Dwight Gerard Mamlok
Dwight Gerard Mamlok

Ihm kam die Idee, dem Zyklus Poesie zugrunde zu legen, die sich mit der Schönheit unseres Gartens in Kalifornien und mit der ständigen Gefahr auseinandersetzt, die im Andreasgraben schlummert. Ich war überzeugt, dass dieser Kontrast – hier die heitere Erhabenheit, dort die zerstörerische Gewalt der Natur – eine geeignete Spannung erzeugen würde, die vielleicht auf metaphorische Weise die Verletzlichkeit und Gefährdung unseres Lebens in der heutigen Welt veranschaulichen könnte.

Und so machten wir uns gemeinsam an die Arbeit, zum ersten und zum bisher einzigen Mal. Obwohl die Poesie der Musik vorangehen muss, gab mir mein Mann nicht alle Gedichte auf einmal. Vielmehr komponierte ich zunächst die Musik zum ersten Stück und empfand dann, dass ich eine kontrastierende Stimmung brauchte, einen Wechsel im Tempo und in der Instrumentierung, den ich bei der Kombination von Singstimme, Flöte und Harfe durch die Verwendung dreier verschieden großer Flöten (außer den normalen auch die Alt- und die Piccoloflöte) schaffen konnte. Ich wollte den Hörer die Atmosphäre des Gartens, seine Schönheit, aber auch seine Gefahren tief unten in der Erde spüren lassen. …“
Als die American Composers’ Alliance (ACA) in Verbindung mit der Tonträgergesellschaft Opus One einen Wettbewerb ausschrieb gewann Ursula und Dwight Mamlok mit „ Der Andreasgarten“ einen Preis. Vor der Verleihung kam von Seiten der Preisverleiher die Frage auf: ›wir haben nur ein Problem: Wie bekommen wir die Publikationsrechte für die Texte?‹ – ›Kein Problem‹, antwortete Ursula Mamlok, ›der Dichter steht direkt neben mir.‹
(aus: Habakuk Traber, Time in Flux – Die Komponistin Ursula Mamlok, Wien, Köln, Weimar 2012).